Die Oscar-Nominierungen sind raus, und Deutschland kann sich Hoffnungen machen: Unter den nominierten Filmen ist Michael Hanekes Drama "Das weiße Band". Die Oscar-Nacht ist am 7. März.
Mit der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen hat die Endrunde der diesjährigen Filmpreis-Saison begonnen. Hollywood-Star Anne Hathaway (27) gab die Anwärter für Hollywoods begehrteste Auszeichnungen gemeinsam mit Tom Sherak, dem Chef der Amerikanischen Filmakademie, bei einer Pressekonferenz vor Morgengrauen (Ortszeit) in Los Angeles bekannt.
Der deutsche Film "Das weiße Band" hat gleich zwei Chancen auf einen Oscar. Der Film des österreichischen Regisseurs Michael Haneke wurde in Los Angeles in der Kategorie bester nicht englischsprachiger Film vorgeschlagen. Außerdem gab es eine Nominierung für Christian Berger für seine Kameraarbeit bei dem Schwarzweiß-Drama. Auch die ZDF/ARTE-Koproduktion "Ajami" des Palästinensers Scandar Copti und des Israeli Yaron Shani ist für die diesjährige Oscarverleihung als bester fremdsprachiger Film nominiert. Beim israelischen Filmpreis 2009 erhielt "Ajami" fünf Preise, unter anderem als Bester Film.

Auch der Österreicher Christoph Waltz bekommt eine Oscar-Chance für seine Rolle eines charmant-zynischen SS-Mannes in dem Drama "Inglourious Basterds" von Quentin Tarantino. "Inglourious Basterds" wurde zu weiten Teilen im Studio Babelsberg gedreht.
James Camerons Film "Avatar - Aufbruch nach Pandora" und der Irak-Kriegsfilm "The Hurt Locker" von Kathryn Bigelow führen die diesjährigen Nominierungen für die Oscars an. Beide Produktionen wurden am Dienstag in Los Angeles in je neun Kategorien für den Filmpreis vorgeschlagen, darunter als bester Film des Jahres und für die beste Regie. Pikantes Detail am Rande: Die Regisseure James Cameron ("Avatar") und Kathryn Bigelow ("The Hurt Locker") waren früher verheiratet. Beide Streifen sind unter anderem als bester Film und für die beste Regie nominiert. Bigelow ist überhaupt erst die vierte Frau, die als beste Regisseurin nominiert ist. Gewinner des Regie-Oscars waren bislang nur Männer.
Anwärter auf einen Oscar kamen schon häufig aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die wichtigsten Nominierungen der vergangenen Jahre:
2009: In der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film" geht "Der Baader Meinhof Komplex" leer aus: In der deutschen Produktion aus dem Hause Bernd Eichinger spielen Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek und Martina Gedeck die RAF-Terroristen.
2008: Bei den 80. Academy Awards wird "Die Fälscher" von Stefan Ruzowitzky als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Es ist der erste Oscar für einen österreichischen Beitrag überhaupt.
2007: "Das Leben der Anderen" erhält eine der begehrten goldenen Auszeichnungen. In dem Drama von Florian Henckel von Donnersmarck spielt Ulrich Mühe einen Stasi-Offizier, der am Überwachungsstaat DDR scheitert.
2006: Für einen Oscar reicht es nicht ganz: Die nominierte deutsche Produktion "Sophie Scholl - Die letzten Tage" muss sich dem südafrikanischen Drama "Tsotsi" geschlagen geben.
2005: Der deutsche Film "Der Untergang" über die letzten Tage Hitlers ist zwar nominiert, bester fremdsprachiger Film wird jedoch das spanische Drama "Das Meer in mir".
2003: Das Afrika-Epos "Nirgendwo in Afrika" von Caroline Link ist der beste fremdsprachige Film der 75. Oscarverleihung - bereits 1998 war das Drama "Jenseits der Stille" der deutschen Regisseurin nominiert. Der für seine Kameraführung in "Gangs of New York" nominierte Michael Ballhaus aus Deutschland geht hingegen leer aus.
2001: Der deutsche Komponist Hans Zimmer erhält zwar für den Sandalenfilm "Gladiator" eine Nominierung, muss aber wie schon zwei Jahre zuvor für "Der schmale Grat" den Preis für die beste Filmmusik einem anderen überlassen. Einen Oscar gab es dagegen 1995 für "Der König der Löwen".
In der Königssparte "bester Film" ist außerdem Tarantinos Film "Inglourious Basterds" nominiert, der auf insgesamt acht Preisvorschläge kommt. Die weiteren Nominierten sind der Sportler-Film "The Blind Side", der Science-Fiction-Thriller "District 9", das Teenager-Drama "An Education", der Rezessions-Film "Up in the Air", das Sozialdrama "Precious", die Komödie "A Serious Man" und der Zeichentrickfilm "Up". Letzterer ist erst der zweite Cartoon-Film, der in dieser Kategorie nominiert wurde. In diesem Jahr wurden erstmals gleich zehn Streifen als "bester Film" nominiert; die Oscar-Akademie erhofft sich dadurch mehr Spannung und höhere Einschaltquoten.
Nominiert für den begehrten Preis als bester Hauptdarsteller sind Jeff Bridges für seine Rolle in "Crazy Heart", George Clooney ("Up in the Air"), Colin Firth ("A Single Man"), Morgan Freeman ("Invictus") und Jeremy Renner ("The Hurt Locker"). Als beste Hauptdarstellerinnen sind vorgeschlagen Meryl Streep für ihre Rolle in "Julie und Julia", Sandra Bullock ("The Blind Side"), Carey Mulligan ("An Education"), Helen Mirren ("The Last Station") und Gabby Sidibe ("Precious"). Für einen Filmmusik-Oscar ist der in den USA lebende deutsche Filmkomponist Hans Zimmer nominiert worden. Der vielfach ausgezeichnete Komponist wurde damit für seine Musik zum Film "Sherlock Holmes" gewürdigt.

"Das weiße Band" hatte Mitte Januar den Golden Globe als bester ausländischer Film gewonnen. Im vorigen Jahr wurde er schon mit der Goldenen Palme in Cannes und dem Europäischen Filmpreis gekürt. Das intellektuell anspruchsvolle Drama erzählt die Geschichte seltsamer Unfälle und Gewalttaten in einem norddeutschen Dorf in den Jahren 1913/14. Haneke verbindet menschliche Grausamkeiten mit den überkommenen gesellschaftlichen religiösen Werten der deutschen Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Die Konkurrenten für den Auslands-Oscar kommen aus Israel, Argentinien, Peru und Frankreich. Die höchsten US-Filmpreise werden dieses Jahr zum 82. Mal verliehen.
Für die insgesamt zwei Dutzend Oscar-Kategorien werden mit Ausnahme der Königskategorie jeweils fünf Anwärter nominiert, die dann in die Endausscheidung gehen. In der Sparte Bester Film gibt es in diesem Jahr erstmals zehn Kandidaten.