Im Herzen des religiösen und politischen Pulverfasses Jerusalem liegt die Grabeskirche, erbaut über dem Grab Christi. Sechs christliche Konfessionen leben dort Tür an Tür unter einem Dach: "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" eröffnet den Blick auf und in den heiligsten Ort der Christenheit und dessen Hausordnung als metaphysischen Basar.
In der Grabeskirche leben griechisch-orthodoxe Christen, römisch-lateinische Franziskaner, syrische Christen, armenische Christen, äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten. Eine muslimische Familie verwahrt den Schlüssel zur Kirche und schließt die Haupttür morgens auf und abends wieder zu. In diesem Status Quo befindet sich die Kirche seit der osmanischen Zeit.
Die einzelnen Glaubensgemeinschaften wachen verbissen über die ihnen zugeteilten Anteile und beobachten eifersüchtig die Anderen. Die Abessinischen Christen, die ihren Platz in der eigentlichen Kirche verloren haben, quartierten sich kurzerhand auf dem Dach der Kapelle ein, die koptischen Christen, die den Haupteingang des Grabes nicht benutzen dürfen, bauten sich eine kleine Kapelle an der Rückseite der Grabkammer und die Griechisch-Orthodoxen verteidigen raubeinig den Vordereingang.
Zu hohen Festtagen kommt es manchmal zu absurden Schlachten religiöser Leidenschaft, die Prozessionen geraten sich gegenseitig in die Quere und Gläubige aus aller Welt verkeilen sich untereinander. Aber nachts, wenn die unfreiwillige Wohngemeinschaft in der Kirche eingeschlossen ist, beten die Mönche vor dem Grab. Dann verwandelt sich die Kirche in einen mystischen Ort der Hingabe und Sehnsucht nach erfülltem Glauben. Mit Respekt und Neugier verfolgt der Film das Leben der Bewohner und zeigt unterhaltsam und freudvoll, dass Glauben eine zutiefst menschliche Angelegenheit, mit allen Höhen und Tiefen ist.
Dokumentarfilm, Deutschland 2010
Länge: 91 Min.
Idee, Konzept, Regie und Kamera: Hajo Schomerus
Montage: Daniela Grosch
Ton: Andreas Mücke-Niesytka, Stavros Charitidis
Sound-Design: Peter Bräker
Mischung: Hans Künzi
Produzent: Marcelo Busse
Produktion: busse & halberschmidt Filmproduktion oHG, in Koproduktion mit ZDF/ Das Kleine Fernsehspiel, Schweizer Fernsehen SF/SRG SSR, Marcel Hoehn T&C Film AG, gefördert durch Filmstiftung NRW, Kuratorium junger deutscher Film, FFA, BKM, Media, Züricher Filmstiftung und Bundesamt für Kultur, Schweiz Redaktion: Lucas Schmidt, ZDF/Das kleine Fernsehspiel, Urs Augstburger, SF Schweizer Fernsehen
Hajo Schomerus (Idee, Konzept, Regie & Kamera) wurde 1970 in Hannover geboren. Ab 1993 studierte er Film- und Fernsehkamera an der Fachhochschule Dortmund. 1995 absolvierte er ein Praxissemester am Anthology Film Archive, New York, bei Jonas Mekas. 1998 studierte er für zwei Auslandssemester am Film and Television Institute of India in Pune, Indien. Sein Abschlussfilm "Ich und das Universum" (2003) wurde mehrfach preisgekrönt. Schomerus wirkt seit 1995 an zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen als Kameramann mit. "Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen" der zweite Film, bei dem er Regie führte.