Das Jahr 1968 ist auch nach 40 Jahren ein Mythos. In jenem Jahr kommen die linkspolitische Bewegung und die popkulturelle Revolution der 60er Jahre zu einem schicksalhaften Höhepunkt.
Manche großen Hoffnungen werden wahr, viele enden brutal. In dieses Jahr fallen der Prager Frühling und die Arbeiter- und Studentenrevolte in Frankreich, die Ermordung Martin Luther Kings und das Attentat auf Rudi Dutschke, das Massaker der US-Truppen in My Lai und die Verabschiedung der Notstandsgesetze in der BRD. Die Hippiebewegung befindet sich in "full swing", die psychedelische Musik erreicht ihren Zenit, und das Experimentieren mit vermeintlich bewusstseinserweiternden Drogen kippt für viele endgültig in die Sucht.
Die Sendetermine
Die vier Filme der Februar-Reihe im Kleinen Fernsehspiel erzählen von Menschen, die diese Zeit intensiv gelebt, erlitten und zum Teil geprägt haben. Vier Filme, die - ohne dem Mythos '68 zu verfallen - das außergewöhnliche Lebensgefühl, die euphorische Aufbruchstimmung wie die Abgründe und düsteren Seiten hautnah einfangen. Vier Filme, die ungewöhnlich und überraschend auf eine Zeit blicken, die noch heute polarisiert.
1968 ändert sich für eine Münchner Familie fast alles. Vater Franz bekommt ein Stipendium in Berkeley und Mutter Monica geht mit ihm und ihren vier Kindern in die USA. Mit kommt auch Franz bester Freund Adrian, der Monicas Liebhaber ist. Von ihm stammt das jüngste Kind. Der vielfach preisgekrönte Film "The Big Pink" von Kolin Schult begleitet diese sich immer wieder neu zusammensetzende Gemeinschaft um die halbe Welt, erzählt von 30 Jahren alternativen Zusammenlebens und vom Versuch, die Utopie der Kommune Wirklichkeit werden zu lassen.
In Helke Sanders Film "Der subjektive Faktor" gestaltet sich für die weibliche Hauptfigur das Zusammenleben auf andere Art schwierig. Im Februar '68 findet der große "Internationale Vietnam Kongress" an der TU Berlin statt. Die studentischen Männer verstehen sich als Vertreter der Weltrevolution und sehen Hausarbeit und Kinderbetreuung angesichts ihrer historischen Aufgabe als Neben- oder eben Frauensachen.
Dass die "Neue Frauenbewegung" als Reaktion auf die "sozialistischen Eminenzen" mit ihren "bürgerlichen Schwänzen" entstand, ist eine Gegengeschichte der Studentenrevolte mit einem wesentlichen Fazit: "Es gibt viel Falsches im Wahren."
Die Immobilienspekulation im Frankfurter Westend erreicht 1968 einen Höhepunkt. Über 4000 Wohnungen werden in Büros umgewandelt und die Methoden, Wohnmieter zu vertreiben, immer rücksichtsloser. Alexander Kluge und Edgar Reitz schildern wenige Jahre später in ihrem assoziativ-analytischen Film "In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod" den Frankfurter Häuserkampf. Dabei betreiben sie keine schlichte Kapitalismuskritik, sondern nehmen verschiedenste Machtstrukturen ins Visier - so zum Beispiel auch ironisch und hellsichtig den Auslandsgeheimdienst der DDR.
"Pop Odyssee: Die Beach Boys und der Satan" erzählt von einer der erfolgreichsten Pop-Bands und ihrem kalifornischen Alptraum. Sein Lieblingsalbum sei "Friends", so Brian Wilson, der kreative Kopf der Gruppe, Anfang der 90er Jahre in seiner Autobiografie.
Das 1968 erschienene Album war das erfolgloseste der Beach Boys und markiert nach den in den Jahren zuvor herausgekommenen Platten "Pet Sounds", "Smiley Smile" und "Wild Honey" einen kommerziellen Tiefpunkt in der Bandgeschichte, deren Mitglieder immer tiefer in Drogen und die psychedelische Szene um Charles Manson abglitten.
Die vier Filme aus dem und um das Jahr 1968 laden ein zu einer aufregenden Reise in bewegte Zeiten.