Regisseur David Dietl im Gespräch mit der betreuenden Redakteurin Annedore v. Donop über seinen Film "Auf Nummer sicher?"
Wie sind Sie auf die Idee zu Ihrem Film "Auf Nummer sicher?" gekommen?
Der Autor Henner Schulte-Holtey und ich haben uns schon während gemeinsamer Seminare an der Berliner Filmakademie mit dem Genre der Dokufiktion befasst. Außerdem interessierte uns die Thematik der Überwachung im weiteren Sinne.
Als Henner Schulte-Holtey im März 2005 bei der Ausschreibung der ZDF-Redaktion Das kleine Fernsehspiel mit dem Thema "Agenda 2020 - Wie werden wir leben?" mitmachte, wurde seine Idee aus über 300 Einsendungen ausgewählt. Als ich etwas später in das Projekt einstieg, haben wir in intensiver dramaturgischer Zusammenarbeit mit unserer Redakteurin Annedore von Donop das Drehbuch erarbeitet.
Als Ende März 2006 das Drehbuch abgenommen wurde, stieg Jonas Dornbach als Produzent ein, und wir fingen an den Dreh vorzubereiten. Der Bezug der Geschichte zur Zukunft bestand in der Verbindung zu einem Zeitreisenden. Wir hatten uns eine Zukunftsutopie ausgedacht, die sich dann während der fundierten Recherche immer weniger als Utopie erwies, sondern vielmehr als eine durchaus mögliche Entwicklung, in die unsere Gegenwart steuert.

Über diverse Literatur, Internetrecherchen und persönliche Interviews haben wir uns in die Thematik der biometrischen Merkmale und der RFID-Technologie eingearbeitet und unsere Erkenntnisse in das Drehbuch von "Auf Nummer sicher?" einfließen lassen.
Welcher Punkt hat Sie persönlich an der Geschichte, aber auch an ihrer formalen Gestaltung besonders interessiert und warum?
Die Mischung aus Fiktion und Realität hat mich besonders interessiert. Wie würden sich dokumentarische Aufnahmen und eine inszenierte Geschichte miteinander verbinden lassen? Zuerst mussten wir ein ungefähres dokumentarisches Gerüst bauen, an dem wir uns auch im Drehbuch orientieren konnten, ohne dabei zu wissen, ob wir diese Aussagen so tatsächlich auch bekommen würden.
Mit dem Kameramann Mathias Schellenberg suchten wir nach Möglichkeiten die verschiedenen filmischen Ebenen miteinander zu verbinden, was sich auch in der Wahl verschiedener Videoformate niederschlug. Wir versuchten unterschiedliche Looks miteinander zu verbinden, die trotz filmischer Ästhetisierung doch auch immer real wirken sollten.
Während der gesamten Produktionsphase bis in den Schnitt hinein, gab es immer wieder neue Meldungen zu unserem Thema. Wir wollten den aktuellsten Stand der politischen und sozialen Entwicklung in unserem Film zeigen. Deswegen haben wir uns auch dazu entschlossen, den dokumentarischen Teil des Filmes am Schluss zu drehen und nicht, wie ursprünglich geplant, am Anfang der Dreharbeiten.
Wir wollten ein aktuelles Thema aufgreifen und es in die Zukunft weiterdenken.
Was hat Sie im Verlauf des Projekts am meisten überrascht und was am meisten gefreut?
Die Möglichkeit mit dieser Geschichte ein tolles Ensemble zu begeistern, allen voran Anne Ratte-Polle, die wir für die Hauptrolle gewinnen konnten. Mit diesen erfahrenen Schauspielern an den Figuren zu arbeiten war wunderbar, und ich war jeden Abend aufs Neue positiv überrascht, was sich am jeweiligen Drehtag ergeben hatte.
Wie sich im Schnitt aus vielen Stunden Material, eine informationelle Dramaturgie entwickelt hat, war auch ein Erlebnis. Gemeinsam mit meiner Cutterin Dunja Campregher habe ich im Schneideraum viel ausprobiert, um die richtige Mischung aus szenischen und dokumentarischen Aufnahmen zu finden.
Wir wollten nicht didaktisch werden, aber gleichzeitig genug Informationen geben, um die szenischen Teile durch das Dokumentarmaterial zu stärken. Auch umgekehrt wollten wir die Emotionen aus der Spielfilmhandlung mit in die dokumentarischen Interviews herüberschwappen lassen.
Gibt es etwas, das Ihnen zu diesem Film noch besonders am Herzen liegt?
Der Dank an die vielen Mitarbeiter die über einen langen Zeitraum und für sehr wenig Geld an diesem Projekt mitgearbeitet haben. Außerdem hoffe ich, dass der Film die Zuschauer erreicht und vielleicht auch ein wenig verunsichert.
Ich hoffe, dass unsere filmische Mischform von den Zuschauern angenommen wird und sie sich für ein wichtiges und aktuelles politisches Thema emotionalisieren lassen. So dass wir hoffentlich einen breiteren Diskurs über ein Thema bekommen, das ansonsten in kleinen Nebenberichten oder sonstigen Nachrichten absichtlich untergeht.