
"Wild Style" führt in die Hip-Hop-Kultur des New Yorker Undergrounds kurz vor dem kommerziellen Durchbruch von Rap-Musik, Breakdance und Graffiti. Das legendäre Zeitdokument besticht durch die Authentizität seiner Personen und Schauplätze.
Wenn es Nacht wird in der Bronx, schlägt 'Zoro' zu. Mit einer Tasche voller Sprühdosen dringt er ein in U-Bahn-Depots und verwandelt die Waggons in mobile Gemälde. Er ist der bekannteste Sprayer der Stadt, aber niemand kennt seine wahre Identität. 'Zoro' ist ein Mysterium, ein Held der Bronx. Tagsüber ist 'Zoro' Raymond, ein schüchterner Großstadt-Typ, der versucht, sich in der rauen Welt der South Bronx zurecht zu finden. Wie der Mehrzahl der schwarzen und puertoricanischen Bewohner des zum Slum heruntergekommenen Stadtteils war auch ihm die Chancenlosigkeit in die Wiege gelegt worden.
Der Regisseur über seinen Film: "Wir haben bewusst an Andy Warhol gedacht"
Raymond liebt Rose, die als 'Lady Bug' Anführerin einer rivalisierenden Graffiti-Gang ist. Zur Szene gehören Rapper, Breakdancer und DJs. Weil Rose, anders als 'Zoro', nach den Medien und dem kommerziellen Erfolg schielt, stehen sie im Streit. 'Zoro' wendet sich an den Manager 'Phade', um Anerkennung zu finden und Rose zurück zu gewinnen. 'Phade' und die blonde Lokalreporterin Virginia stellen 'Zoro' die Welt des Geldes, des Kunstmarktes und der Macht in Manhattan vor. Zoros Graffitis sollen in die teuren Galerien kommen.
Montag, 13. Oktober 2008, 0.40 Uhr
Buch und Regie: Charlie Ahearn
Kamera: Clive Davidson, John Foster
Musik: Chris Stein ("Blondie"), Frederick Brathwaite ("Fab Five Freddie")
Schnitt: Steven C. Brown
Produktion: Wildstyle Films Inc. in Koproduktion mit ZDF/Das kleine Fernsehspiel
Redaktion: Eckart Stein, Christian Cloos
Länge: 79 Minuten
Erstsendung: 07.04.1983 (ZDF)
Mit: "Lee" Quinones, Sandra "Pink" Fabara, Frederick Brathwaite ("Fab Five Freddy"), Patti Astor, Andrew "Zephyr" Witten, Niva Kislac, Bill Rice, Glenn O'Brien
Doch 'Zoro' scheut die Kommerzialisierung und den Weg aus der Illegalität, für ihn ist das Risiko die Grundlage seiner Kunst. Erst die Gelegenheit, anlässlich eines Hip Hop-Jams ein ganzes Amphitheater zu bemalen und damit Rose zu imponieren, bringt den Wandel. 'Zoro' gestaltet die riesigen Flächen mit opulenten Bildern, vor denen die DJs, Rapper und Breakdancer zum großen Finale auftreten, die Szene sich feiert und 'Zoro' seine Identität preisgibt. "Wild Style" gilt als der erste und bis heute bedeutendste Film aus der Hip-Hop-Szene überhaupt.
Halb fiktional, halb dokumentarisch führt er in die New Yorker South Bronx Anfang der achtziger Jahre: DJing, Rap, Breakdance und Graffiti sind Ausdrucksformen einer neuen Straßenkultur. Die auftretenden Personen spielen sich in der Mehrzahl selbst, sind also reale Mitglieder der New Yorker Szene. Im Mittelpunkt steht das Schicksal von Raymond - gespielt von der Graffiti-Legende Lee Quinones - und dessen Umgang mit der steigenden Anerkennung seiner eigenen Kunst.
In dokumentarischen Szenen wird das virtuose Können der Szene deutlich. Viele Protagonisten des Films wurden weltweit bekannt, wie zum Beispiel DJ Grandmaster Flash, die Rapper Frederick Brathwaite alias "Fab Five Freddy" und "Busy Bee" und die Breakdancer von der "Rock Steady Crew". Die Erstaufführung von "Wild Style" im Jahre 1983 war eine Initialzündung für Hip Hop in Deutschland. Der Soundtrack ist bis heute fester Bestandteil vieler DJs und wurde häufig gesamplet.
Nach seiner Welturaufführung 1983 im ZDF ging der Film mit einem Teil seiner Darsteller und Künstler auf Tournee durch Japan, USA und andere Teile der Welt. Bei seiner erfolgreichen Aufführung in New York stand das Publikum in Schlangen um die Häuserblocks an.