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19. März 2010
 

Das kleine Fernsehspiel

 
Rückblick: Das kleine Fernsehspiel vom 21.12.2009 Nachtprogramm
Szene aus "Wasser und Seife". Quelle: ZDF
Gerti bei ihrer Arbeit in der Wäscherei

Sendung vom 21. Dezember 2009

"Wasser und Seife"

Dokumentarfilm von Susan Gluth

Drei Frauen und ein knochenharter Job. Susan Gluth porträtiert in ihrem Dokumentarfilm "Wasser und Seife" drei Frauen, die in einer Hamburger Wäscherei für wenig Geld schwer schuften. Der Film erzählt von der Würde der Menschen in Zeiten der Globalisierung und vom Glück, das manchmal gar nicht so leicht zu finden ist. Am Ende bleibt die Hoffnung, es könnte - warum auch nicht? - einmal besser werden.

 
 
 

In der Wäscherei dampft und zischt es bereits, wenn die Arbeiter im verqualmten Pausenraum ihre Morgenzigaretten ausdrücken. Es ist 7.00 Uhr, die Arbeit beginnt. Während die energische Tatjana noch müde die feuchten Servietten in die fauchende Mangel steckt, kämpft die zurückhaltende Gerti mit Büstenhaltern, die sich im Waschnetz verfangen haben.

 

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Auszeichnung!

Auf den Nordischen Filmtagen (4. bis 8. November 2009) wurde "Wasser und Seife" mit dem Norddeutschen Filmpreis in der Kategorie "Beste Dokumentation" prämiert. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.
Jury-Begründung: "Der Regisseurin ist ein außergewöhnlicher Film gelungen, denn sie betrachtet den Alltag der Frauen mit großem Respekt vor ihren - nicht nur körperlichen - Leistungen." Der Film zeige "einen detaillierten, häufig ignorierten Blick auf Lebensverhältnisse und Umfelder." Hervorgehoben wurde die "einfühlsame Vorgehensweise, durch die dem Film große dokumentarische Momente gelinge, die ihn zu einem Plädoyer für die Würde des Menschen in einer globalisierten Welt machen."


Chaos in der Wäscherei

Oben dröhnt und vibriert es, das Dach der Wäscherei wird erneuert. Hinten wummern die großen Wäschetrockner und im Keller werden krachend die alten Wasserleitungen rausgerissen. Ein Ventil verstopft - das Chaos ist perfekt. Der Chef sucht fluchend nach dem Telefon, um die nötigen Handwerker zu erreichen. Monika beißt schulterzuckend in ihr Käsebrot: "Der Tach hat schon so blöde angefangen heut' morgen ..."

 

Monika wohnt in Wilhelmsburg. Von hier aus blickt man auf die andere Seite der Elbe, wo die wohlhabenden Menschen leben und auch die Wäscherei liegt. Seit zwanzig Jahren fährt Monika mit Bus und Bahn 1,5 Stunden hin und am Abend wieder zurück. Danach ist sie meist so erschöpft, dass ihr abends auf dem Sofa die Stricknadeln aus der Hand fallen. Heute bleiben ihr nach Abzug von Miete, Strom und Wasser 150 Euro im Monat zum Leben. Und auch Gerti und Tatjana kennen das Gefühl nur zu gut, dass trotz der harten Arbeit wenig zum Leben bleibt.

Helden der Arbeit

Der Film rückt diese "Helden der Arbeit" liebevoll in den Vordergrund. Der Zuschauer nimmt mit Bewunderung und Verblüffung am Alltag der drei Arbeiterinnen teil, die, wie viele andere Arbeiter an der Basis unserer Gesellschaft, jeden Tag aufs Neue um ihre Existenz kämpfen. Am Chef liegt es nicht: "Wenn ich könnte, würde ich denen auch drei bis vier Euro mehr zahlen ... aber der Markt gibt das einfach nicht mehr her."

 

"Wasser und Seife" erzählt von der Würde der Menschen in Zeiten der Globalisierung und vom Glück, das manchmal gar nicht so leicht zu finden ist. Am Ende bleibt die Hoffnung, es könnte - warum auch nicht? - einmal besser werden.

 

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"Wasser und Seife"

Montag, 21. Dezember 2009, 00.30 Uhr
Dokumentarfilm, Deutschland, 2008
Buch, Regie, Kamera: Susan Gluth
Schnitt: Ulrike Tortora, Jean-Claude Piroué, Uli Schön, Susan Gluth
Musik: Nils Koppruch
Ton: Jens Röhm
Sounddesign: Thomas Knop
Producer: Kristina Strohm
Produktion: Susan Gluth Filmproduktion in Koproduktion mit dem ZDF/Das kleine Fernsehspiel gefördert von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und dem FilmFernsehFonds Bayern
Redaktion: Jörg Schneider
Länge: 82 Minuten
Mit: Monika Schückher mit Bonnie, Tatjana Beth, Gerda Franzen, Günther Utecht und andere

 

Festivals

 

  • Filmfest Hamburg 2008 (Premiere)
  • Internationale Hofer Filmtage 2008
 

Biografie Susan Gluth

Autorin und Regisseurin von "Wasser und Seife" Susan Gluth. Quelle: ZDF
ZDF
Regisseurin Susan Gluth

Susan Gluth wurde 1968 in Hamburg geboren. Sie machte ihr Abitur in Schleswig-Holstein und anschließend eine kaufmännische Lehre. Nach verschiedenen Tätigkeiten studierte sie Dokumentarfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München.

Dabei entstanden unter anderem die Dokumentarfilme "l'amour chez TATI" (1999) oder "Mit den Augen eines Flüchtlingskindes" (2005). Seit dem Studienabschluss ist sie Filmemacherin und freie Kamerafrau für den dokumentarischen Film.

 

Pressestimmen (Auswahl)

 

"Unwahrscheinlich unterhaltsam", Tipp Berlin 29.04.2009

 

"Sisyphos ist eine Frau", Badische Zeitung 22.05.2009

 

"Ein Film, der weder klassenkämpferisch kommentiert, noch in Betroffenheitsrhetorik wertet, sondern einfach genau hinschaut.", Wiesbadener Tagblatt 09.06.2009

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Die Sendetermine der Reihe "100%Leben":

 
 

Sendungsinformationen

Montag, 21.12.2009 00:30 - 01:50 Uhr Nachtprogramm

VPS 22.12.2009 00:30

Länge: 80 min

Dokumentarfilm, Deutschland, 2008

  • 16 zu 9
  • Livestream
 

ZDF Mediathek

Andreas Lust und Franziska Weisz

Video starten Neu im Kino: "Der Räuber"

Spielfilm von Benjamin Heisenberg