Das kleine Fernsehspiel | Sendung vom 26.11.2012 [Archiv]

Schulter an Schulter

Hauptmann Daniel S. und Bundeswehrangehörige / Quelle: ZDF/Shaheen Dill-Riaz

"Fünf Meter tief, zwei Meter breit - zehn Quadratmeter. Irgendwann fühlt sich alles wie zu Hause an." Daniel S., Hauptmann im deutschen Feldlager in Kunduz, Afghanistan, spricht beinahe liebevoll von seiner Container-Unterkunft. Und er wirkt überzeugt von dem, was er tut. "Es gibt hier richtig, und es gibt falsch. Und ich denke, wir sind die Guten." Er weiß, dass ein Zivilist Schwierigkeiten hat, das zu verstehen. Nach sechs Monaten Einsatz freut er sich auf sein Zuhause in Deutschland. Dort warten seine Frau Sandra und seine zwei kleinen Kinder auf ihn. Aber er wird nach Afghanistan zurückkehren. Denn: "Das hier ist das wahre Leben."

Im drei Kilometer entfernten afghanischen Militärlager gewährt auch Leutnant Mehdi M. private Einblicke. Er zeigt die Narben der Tattoos, die er sich hat entfernen lassen: "Meine Initialen und die von einer, die ich geliebt habe. Geheiratet habe ich eine andere, weil in Afghanistan die Traditionen streng sind." Seit seiner Kindheit wollte er zum Militär. Seine Familie hat ihn dabei unterstützt. Heute sieht sie seinen Einsatz mit gemischten Gefühlen.

Einen Unterschied zwischen den afghanischen und den deutschen Soldaten sieht er nicht: "Wir sind zwar aus verschiedenen Ländern, aber wir erfüllen die gleichen Aufgaben." Seine Familie, Frau und zwei Kinder, leben in Kabul. Mehdi M. kann nur alle vier bis fünf Monate nach Hause.

Jenseits der politischen Diskussion um den Afghanistan-Einsatz blickt Shaheen Dill-Riaz in seinem Dokumentarfilm in sehr persönlichen Nahaufnahmen auf die Menschen, die an der politischen Entscheidung nicht beteiligt sind, sondern vor Ort ihren Job machen. Der Film zeigt ihr Alltagsleben in den Lagern, begleitet sie zum Schießstand und in die Kantine, hakt immer wieder aus dem Off nach und lässt die Interviews unkommentiert wirken.

Zu Wort kommen auch die Frauen. Allein mit den Kindern im deutschen Eigenheim gesteht Sandra S.: "Eigentlich wollte ich nie einen Soldaten ..." Natürlich habe sie Angst um ihn. "Aber da muss man zurückstecken."

Seit dem Terrorangriff auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 produziert der "Krieg gegen den Terror" täglich neue Nachrichten über Anschläge und Kämpfe. Jenseits dieser Schlagzeilen gibt es aber ein Afghanistan, das weniger im Fokus der Öffentlichkeit steht. Ein Afghanistan im Umbruch, ein Afghanistan mit Widersprüchen, in dem sich die Menschen immer wieder von neuem zurechtfinden müssen.

Die beiden Dokumentarfilme "Schulter an Schulter" und "Traumfabrik Kabul" (Sendetermin: 3. Dezember 2012) der "100%Leben"-Reihe der Redaktion "Das kleine Fernsehspiel" vermitteln dieses ungewohnte Bild vom Land und seinen Menschen und bilden so einen thematischen Schwerpunkt.

27.11.2012

Sendungsinformationen

Montag 26.11.2012, 00:15 - 01:15 Uhr Nachtprogramm 

VPS 27.11.2012, 00:15 Uhr


Länge: 60 min.

Dokumentarfilm, D / AFG, 2012

Weitere Informationen

Regie: Shaheen Dill-Riaz

Buch: Shaheen Dill-Riaz

Kamera: Shaheen Dill-Riaz, Stefan Grandinetti, Ralf Schlotter

Musik: Eckart Gadow

Merkliste

Papierkorb Bild
Merkliste versenden Merkliste schließen

Merkliste

Merkliste versenden

Versenden Sie Ihr Merkliste an Freunde.



 
* Pflichtfelder  
Datenschutz
Das ZDF versichert, Ihre Daten entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen vertraulich zu behandeln.
Zurück zur Merkliste Absenden Button

Merkliste

Hinweis

Die Merkliste wurde erfolgreich versendet.

Zurück zur Merkliste Merkliste schließen